
Man hört es nicht oft, dass eine Band ihr letztes Album wie ein Triumphgeheul ins Tal der Schatten schickt. Meistens schwingt Wehmut mit, oder der Versuch, das eigene Vermächtnis weichzuzeichnen. LAY DOWN ROTTEN aber wählen für ihren Abgang Anfang 2014 den schwereren, ehrlicheren Weg: Deathspell Catharsis ist kein Rückblick, sondern ein zorniger Blick nach vorn – auch wenn klar ist, dass dieser Blick der letzte sein wird. Die Hessen waren nie dafür bekannt, halbe Sachen zu machen. Seit Ende der Neunziger lieferten sie verlässlich Death Metal, der weder den Mainstream streifte noch in blinde Nostalgie verfiel. Mit Deathspell Catharsis schärfen sie ihr Profil noch einmal bis auf die Schneide. Der Opener Cassandras Haunting – episch, finster, unheilverkündend – ist nicht nur Song, sondern ein Tor, das sich öffnet zu einer Welt, in der Blastbeats und Groove keine Gegensätze sind. Der Titeltrack donnert unmittelbar hinterher, ein Manifest aus messerscharfen Riffs und tiefgestimmtem Donnerbass, das keine Umwege kennt.
Schädelberg markiert einen der seltenen Momente, in denen LAY DOWN ROTTEN auf die Muttersprache setzen – und genau diese Sprachwahl verstärkt den martialischen Charakter, den das Stück ohnehin besitzt. Kurze Atempausen wie Release Into Nothingness wirken nicht wie Balladen, sondern wie das Ausloten einer beklemmenden Stille, bevor die nächste Salve abgefeuert wird. Zombiefied Electrified und Among The Ruins Of A Once Glorious Temple zeigen, wie präzise die Band Tempo und Dynamik steuern kann: Mal im gnadenlosen Dauerfeuer, mal mit schwer walzenden Midtempo-Passagen, die doppelt hart treffen.
Was die Produktion angeht, trifft das Album eine bemerkenswerte Balance: fett und modern, aber ohne den organischen Biss zu verlieren. Die Gitarren klingen wie rostige Kreissägen, der Bass grummelt unheilvoll aus dem Untergrund, und das Schlagzeug sitzt derart punktgenau im Mix, dass es fast schon unheimlich ist. Über allem thront JOST KLEINERTS Growl – nicht bloß als stimmliche Gewalt, sondern als unmissverständliche Ansage, dass hier bis zur letzten Sekunde Haltung bewahrt wird. Das Finale Blasphemous Rituals For The Perverted Flesh ist mehr als nur ein Schlusspunkt – es ist eine Zusammenfassung aller Stärken der Band in gut fünf Minuten. Tempo, Groove, Atmosphäre, Brutalität: alles auf höchstem Niveau, alles ohne jede Spur von Erschöpfung.
Dass wenige Monate nach der Veröffentlichung Schluss war, gibt Deathspell Catharsis eine zusätzliche Tiefe. Man hört kein müdes Aufbäumen, sondern den Beweis, dass LAY DOWN ROTTEN bis zuletzt auf der Höhe ihrer Kunst waren. Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Album nicht nur für Fans, sondern für die gesamte Szene einen besonderen Stellenwert hat: Es zeigt, wie man aufhört, ohne nachzulassen.





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