
Man kann ALI WELLS alias PERC nicht vorwerfen, seine Maschinen nur für das blinde Vorwärtsstampfen zu programmieren. Wo viele seiner Kollegen im UK-Techno der 2010er schlicht nach BPM-Zahl und Clubverträglichkeit sortieren, baut er auf The Power And The Glory eine Dramaturgie, die nicht nur tanzen, sondern auch stolpern lässt. Schon der Opener Rotting Sound mit dem verzerrten Brüllen von DAN CHANDLER klingt, als würde jemand eine Fabrikhalle in Brand setzen und gleichzeitig das Mikrofon ins Feuer halten. Speek mit NIK COLK VOID dekonstruiert Sprache selbst: vokale Fragmente werden gefaltet, gestreckt, gefoltert, bis sie zwischen Mensch und Maschine schweben.
Die Platte ist in ihrer Textur kompromisslos: Körnige Distortion, Metallschläge, Knistern – alles sitzt so vordergründig im Mix, dass es fast körperlich weh tut. Aber PERC wäre kein Arrangeur im Albumformat, wenn er nicht auch den Mut zum Aussetzer hätte. Lurch schleppt sich im Halbtakt durch ein rhythmisches Niemandsland, Horse Gum tänzelt auf der Kante zwischen Groove und Entgleisung, und A Living End zieht am Schluss den Stecker, um in eine unheimliche Stille zu kippen, die mehr sagt als jeder Drop. Hinter der brutalen Oberfläche steckt ein zynischer Kommentar auf Macht und ihre Ausübung. David & George referiert nicht zufällig auf die konservative Politprominenz DAVID CAMERON und GEORGE OSBORNE – hier lacht es höhnisch aus den Boxen, als würde die Musik den Premierminister selbst an der Krawatte packen. Der Albumtitel, halb Predigt, halb Drohung, verstärkt diese Doppeldeutigkeit: Macht als religiös überhöhtes Konzept, aber auch als allgegenwärtige Zumutung.
Was The Power And The Glory im Jahr 2014 so herausstechen ließ, war weniger seine Härte – davon gab es in der Industrial-Techno-Blase genug – als sein bewusstes Spiel mit Brüchen. PERC schreibt hier kein Set, sondern ein Hörstück: mal DJ-Futter (Galloper, Dumpster), mal pure Konzeptkunst (Bleeding Colours), dazwischen bissige Kommentare in Form von Klangtexturen.
Das Ergebnis ist ein Album, das die Körperlichkeit des Clubs mit der Intellektualität einer politischen Kunstinstallation verbindet. Ein Werk, das nicht um Gefälligkeit buhlt, sondern fordert – und gerade darin seinen Reiz entfaltet. In einer Szene, die sich oft auf Produktionsfetischismus und Selbstreferenzialität reduziert, behauptet PERC mit The Power And The Glory eine eigene Position: Techno als Werkzeug der Störung, nicht der Beruhigung.





Schreibe einen Kommentar