Wiederentdeckung : BAD OMENS – „The Death Of Peace Of Mind“ (Sumerian Records); VÖ: 22.06.2022

Wiederentdeckung : BAD OMENS – „The Death Of Peace Of Mind“ (Sumerian Records); VÖ: 22.06.2022

Cover BAD OMENS - "The Death Of Peace Of Mind"

Es gibt diese Alben, die nicht einfach nur eine Sammlung von Songs sind, sondern als Manifeste einer Generation gelesen werden können. The Death Of Peace Of Mind von BAD OMENS gehört genau in diese Kategorie. Die Band, die einst als Metalcore-Nachzügler belächelt wurde, legt hier eine Platte vor, die weniger mit Gitarrenwänden und Shouts protzt, sondern mit einem ästhetischen Statement: Dies ist Popmusik für eine Welt, in der sich Hoffnung längst in Staub aufgelöst hat. Die Transformation ist frappierend. Wo andere Bands ihres Schlages an den Grenzen des Genres scheitern oder sich in Nostalgie verlieren, nutzen BAD OMENS die Oberfläche des Pop als trojanisches Pferd. Die Hooks sind groß, die Beats poliert, die Produktion klinisch sauber – und dennoch atmet alles eine Beklemmung, die der Titel bereits programmatisch vorgibt. The Death Of Peace Of Mind ist das Ende des inneren Friedens, übersetzt in eine Soundarchitektur, die gleichermaßen aus dem Industrial-Kosmos wie aus dem R’n’B-Regal gespeist ist.

Dass ausgerechnet ein Song wie Just Pretend – eine Ballade, die auf TikTok viral ging – das Aushängeschild der Platte wurde, ist kein Zufall. BAD OMENS legen den Finger auf die offene Wunde unserer Gegenwart: den Wunsch nach Nähe in einer hyperdigitalisierten Welt, die jede Intimität zugleich ausstellt und entwertet. Hier klingt keine sentimentale Lagerfeuer-Romantik, sondern die Kälte einer Generation, die längst weiß, dass Nähe nur noch eine Simulation ist.
Zugleich bleibt die Härte. Artificial Suicide oder Concrete Jungle sind keine Ausbrüche mehr im klassischen Metalcore-Sinn, sondern vielmehr die kathartischen Gegenpole einer ästhetischen Gesamtinszenierung. Es ist diese Balance, die BAD OMENS von Epigonen unterscheidet: das gleichzeitige Zulassen von Pop, Härte und Verzweiflung, ohne dass eines davon ironisch gebrochen werden müsste.

Man könnte sagen, BAD OMENS hätten mit The Death Of Peace Of Mind das Genre Metalcore hinter sich gelassen. Doch das wäre zu einfach. Eher geht es um eine Erweiterung: Hier wird die Klangsprache der Gegenwart absorbiert, zerlegt und in ein Narrativ gegossen, das gleichermaßen für Spotify-Playlists wie für die dunklen Hallen alternativer Clubs taugt.

Am Ende bleibt ein widersprüchliches Werk: verführerisch und verstörend, zugänglich und zermürbend. BAD OMENS zeigen, dass man die Sprache des Mainstreams sprechen kann, ohne die eigene Abgründigkeit aufzugeben. The Death Of Peace Of Mind ist kein Trostpflaster, sondern ein Spiegel – einer Zeit, die längst gelernt hat, dass Frieden ein Luxus ist.

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