Die Besten 2024 : EVERYTHING EVERYTHING – „Mountainhead“ (BMG); VÖ: 01.03.2024

Cover Everything Everything - Mountainhead

Mit „Mountainhead“ kehren EVERYTHING EVERYTHING zurück und liefern ein ambitioniertes Konzeptalbum, das sowohl musikalisch als auch thematisch herausfordert. Die britische Band, bekannt für ihre experimentellen Arrangements und intellektuell aufgeladenen Texte, präsentiert eine dystopische Vision einer Gesellschaft, in der ein stetig wachsender Berg als Symbol für Klassenunterschiede und Kapitalismuskritik dient. Das Ergebnis ist ein klanglich vielschichtiges Werk, das zum Nachdenken anregt. Bereits in den ersten Takten macht „Mountainhead“ klar, dass es keine leichte Kost ist. EVERYTHING EVERYTHING verweben elektronische Elemente mit treibenden Rhythmen, während Frontmann Jonathan Higgs mit seinem charakteristischen Falsett-Gesang über die Absurditäten der modernen Welt sinniert. Besonders beeindruckend ist dabei die Art und Weise, wie die Band komplexe Themen mit eingängigen Melodien kombiniert. Songs wie „Cold Reactor“ bestechen durch scharfkantige Synthesizer und einen treibenden Beat, der die Rastlosigkeit der Arbeitsgesellschaft widerspiegelt. Ähnlich verhält es sich mit „Wild Guess“, einem Track, der Gitarre und Elektronik zu einem mitreißenden Hybrid aus Art-Pop und Indie-Rock verschmelzen lässt.

Die Produktion, die von Gitarrist Alex Robertshaw übernommen wurde, zeichnet sich durch Präzision und klangliche Klarheit aus. Jeder Sound scheint an der richtigen Stelle zu sitzen, was der narrativen Tiefe des Albums zusätzliche Bedeutung verleiht. Stücke wie „The Mad Stone“ setzen auf eine hypnotische Struktur, die sich schrittweise aufbaut, bis sie in eruptive Soundausbrüche mündet. Hier zeigt sich, dass EVERYTHING EVERYTHING nicht nur musikalisch detailverliebt arbeiten, sondern auch ein Händchen für dynamische Spannungsbögen haben. Lyrisch bleibt die Band ihrem Stil treu: kryptische, vielschichtige Texte, die Raum für Interpretation lassen. „Mountainhead“ spielt mit Metaphern und Ironie, sodass sich jeder Song wie ein Kapitel in einer größeren Erzählung anfühlt. Dabei gelingt es der Band, ihre Gesellschaftskritik in kunstvollen Bildern zu verpacken, anstatt die Moralkeule zu schwingen. Dies macht das Album auch nach mehrmaligem Hören spannend und zugänglich zugleich.