PERCY JACKSON AND THE OLYMPIANS (Serie USA 2023)  – Halbgötter auf dem Prüfstand

PERCY JACKSON AND THE OLYMPIANS (Serie USA 2023) – Halbgötter auf dem Prüfstand

Poster - "Percy Jackson"

Mit PERCY JACKSON AND THE OLYMPIANS hat DISNEY+ im Dezember 2023 den Versuch gewagt, eine bei Fans lange ersehnte, werkgetreue Adaption der populären Buchreihe von RICK RIORDAN auf den Bildschirm zu bringen – und es ist ein Versuch, der über weite Strecken gelingt, ohne je ganz aus dem Schatten seines eigenen Formats zu treten. Nach den vielkritisierten Kinofilmen der 2010er-Jahre ist dies eine Art zweite Chance für den Halbgott der Herzen – diesmal als Serie, als Coming-of-Age-Fantasy mit mythologischem Überbau und einem klaren Fokus auf ein junges, aber nicht kindisches Publikum.

Im Mittelpunkt steht PERCY JACKSON, gespielt von WALKER SCOBELL, ein Zwölfjähriger, der mit ADHS und Legasthenie durchs Leben stolpert, bis sich herausstellt, dass er der Sohn des Meeresgottes POSEIDON ist – also ein Halbgott mit durchaus brisanter Herkunft. SCOBELL bringt der Figur eine angenehme Mischung aus Sensibilität und Trotz mit, die in vielen Szenen überzeugt, auch wenn er naturgemäß noch nicht das Charisma eines DANIEL RADCLIFFE in Harry Potter oder eines LOUIS HYNES in A Series of Unfortunate Events erreicht. An seiner Seite steht LEAH SAVA JEFFRIES als ANNABETH, Tochter der ATHENE, klug, selbstbewusst und mit klarer Präsenz – ein Casting, das von konservativen Fans zunächst angefeindet wurde, sich aber als durchweg stark und sinnvoll erweist. Komplettiert wird das Trio von ARYAN SIMHADRI als GROVER, einem Satyr mit Herz, Humor und gelegentlichem dramaturgischem Leerlauf.

Die erste Staffel erzählt in acht Episoden die Handlung des ersten Romans The Lightning Thief. Dabei orientiert sie sich nah an der Buchvorlage, was Kenner und Neulinge gleichermaßen erfreuen dürfte. Die Struktur der Serie ist episodisch: Percy und seine Gefährten reisen durch die USA, begegnen dabei verschiedenen mythologischen Gestalten, lösen Rätsel, entgehen Gefahren. Diese Reise fühlt sich manchmal zu sehr nach Checkliste an – als wolle man möglichst viele ikonische Stationen unterbringen, ohne sie wirklich dramaturgisch atmen zu lassen. Dennoch gelingt es immer wieder, Momente echter Magie und emotionaler Tiefe zu erzeugen – insbesondere dann, wenn PERCY seine familiären Wunden offenlegt oder die Beziehung zu seiner Mutter SALLY (warm und stark gespielt von VIRGINIA KULL) in den Mittelpunkt rückt.

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Visuell ist die Serie solide inszeniert, CGI und Setdesign erfüllen moderne Streaming-Standards, ohne je spektakulär zu wirken. Das Camp Half-Blood – Zentrum der Halbgott-Ausbildung – bietet mit seinen rustikalen Hütten, Trainingsplätzen und geheimnisvollen Wäldern ein glaubwürdiges Setting. Doch gerade hier zeigt sich auch das größte Problem der Serie: die berühmte „Disney-Glätte“. Alles wirkt ein bisschen zu sauber, zu ungefährlich, zu stromlinienförmig. Bedrohungen sind präsent, aber nie verstörend; Konflikte lösen sich meist schnell; echte narrative Tiefe bleibt häufig der Andeutung überlassen. Die Serie ist fast zu höflich, um ihre eigenen mythologischen Potenziale wirklich zu entfesseln. Was den Büchern an anarchischem Charme und düsterem Subtext gelingt, wird hier oft geglättet zugunsten eines sicheren, familienfreundlichen Tons.

Und dennoch: PERCY JACKSON AND THE OLYMPIANS schafft es, eine glaubhafte Fantasy-Welt zu erschaffen, die jüngeren Zuschauer*innen den Zugang zu antiker Mythologie öffnet, ohne belehrend zu sein. Die Themen Anderssein, Selbstfindung, Ausgrenzung und familiäre Verantwortung werden geschickt und unaufdringlich eingeflochten. Dass PERCYs „Schwächen“ – seine Hyperaktivität, seine Schwierigkeiten beim Lesen – in Wahrheit Ausdruck göttlicher Abstammung sind, verleiht der Serie eine stille, aber wichtige gesellschaftliche Relevanz. Auch die divers besetzte Haupt- und Nebenrollenriege ist erfreulich selbstverständlich integriert, ohne aufgesetzt zu wirken.

Nach dem Ende der ersten Staffel ist klar: Dies war nur der Anfang. Eine zweite Staffel ist bereits bestätigt, sie wird The Sea of Monsters adaptieren und voraussichtlich 2025 erscheinen. Fans dürfen sich auf neue Figuren und größere Herausforderungen freuen – und darauf hoffen, dass die Serie in ihrer nächsten Runde den Mut findet, auch die dunkleren und komplexeren Aspekte ihrer Vorlage wirklich auszuspielen. Denn Potenzial für mehr ist reichlich vorhanden. Momentan ist PERCY JACKSON AND THE OLYMPIANS vor allem eines: ein sicherer, liebevoll inszenierter Auftakt in eine mythologische Welt – solide, zugänglich, sympathisch, aber noch nicht gänzlich entfesselt.

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