IRON SKY (FIN, AUS, D, 2012) – Faschismus auf dem Mond, Trash in HD

IRON SKY (FIN, AUS, D, 2012) – Faschismus auf dem Mond, Trash in HD

Poster "Iron Sky"

Wenn in IRON SKY die NAZIS zurückkehren – und zwar ausgerechnet vom MOND –, dann hat das zunächst einmal die groteske Komik einer durchgeknallten Late-Night-Idee: „Was wäre, wenn HITLER und Konsorten 1945 nicht untergegangen, sondern nur in die Umlaufbahn geflüchtet wären?“ Doch unter der grellen Oberfläche und dem visuell opulenten Trash-Charme dieser FINNISCH-DEUTSCH-AUSTRALISCHEN Koproduktion verbirgt sich mehr als nur ein überdrehter Gag. REGISSEUR TIEMO VUORENSOLA entwirft in IRON SKY eine wuchtige Parabel auf das Fortwirken faschistischer Strukturen im 21. Jahrhundert – eine Parabel, die sich hinter SCIENCE-FICTION-Verkleidung und satirischer Überzeichnung verbirgt, aber ideologisch bemerkenswert präzise arbeitet.

Schon die Grundidee des Films offenbart ein zentrales kulturhistorisches Unbehagen: Die NAZIS sind nicht besiegt, sondern nur verdrängt – ins Unbewusste der Menschheit, metaphorisch ausgelagert auf die „dunkle Seite des MONDES“. Es ist ein kollektives Verdrängungsszenario, das sich in vielen postfaschistischen Gesellschaften findet, insbesondere in DEUTSCHLAND, aber auch global in einem zunehmend erinnerungsresistenten POPULISMUS. Dass die MONDNAZIS als Karikatur in UNIFORMEN auftreten, die an LENI RIEFENSTAHLs Bildsprache erinnern, ist dabei keine Verharmlosung, sondern eine dialektische Brechung: Der Kitsch des DRITTEN REICHS wird entlarvt – als ÄSTHETIK DES SCHRECKENS.

Interessant ist auch, wie der Film aufzeigt, dass FASCHISMUS sich nicht allein durch militärische Gewalt organisiert, sondern durch MYTHEN, INSZENIERUNG und IMAGEPFLEGE. Die NAZIS im Film gewinnen an Einfluss nicht durch Invasion, sondern durch Medienstrategie: Ein inszenierter WAHLKAMPF in den USA, geleitet vom Nazi-Spin-Doktor KLAUS ADLER (gespielt von GÖTZ OTTO), wird zur Demonstration, wie leicht autoritäre Rhetorik im Gewand der „patriotischen Erneuerung“ massenwirksam wird. Die Parallelen zur TEA-PARTY-BEWEGUNG, zum aufkommenden TRUMPISMUS und zum medialen POPULISMUS der 2010er Jahre sind kaum zu übersehen – wohlgemerkt: IRON SKY erschien 2012, also vor der Eskalation rechter Erzählungen im Mainstream.

Die PRÄSIDENTIN DER USA – eine groteske Mischung aus SARAH PALIN und GEORGE W. BUSH, gespielt von STEPHANIE PAUL – repräsentiert dabei eine entkernte politische Klasse, die nicht mehr ideologisch geführt, sondern nur noch durch Umfragen navigiert. Der Faschismus tritt nicht als radikale Außenseiterbewegung auf, sondern als kompatible Option im Spektrum der Unterhaltungspolitik. Die Ironie: Die NAZIS von der dunklen Seite des MONDES finden auf der ERDE keine Feinde – sondern Partner in Zynismus.

In seiner Bildsprache arbeitet der Film mit Zitaten aus dem NATIONALSOZIALISMUS ebenso wie aus STAR WARS, METROPOLIS und der ÄSTHETIK klassischer SPACE OPERAS. Diese Referenzfülle wirkt dabei nie beliebig, sondern ist Teil der dekonstruktiven Strategie: VUORENSOLA zeigt, dass politische Systeme ebenso wie Filme aus Versatzstücken bestehen – IDEOLOGIE ist nicht originell, sondern rekombiniert. Der totalitäre Anspruch wird im Film in Parolen wie „EIN VOLK, EIN FÜHRER, EIN IPAD“ satirisch zugespitzt – und entlarvt so den nahtlosen Übergang von nationaler Größe zu globalem Konsum.

Doch IRON SKY ist kein subtiler Film. Viele Gags sind brachial, mancher Kalauer wirkt bemüht. Und doch liegt gerade in dieser Überzeichnung die Stärke des Films: Die groteske Übertreibung schützt nicht vor der Botschaft – sie verstärkt sie. Denn der FASCHISMUS wird hier nicht als vergangenes Unheil, sondern als stets gegenwärtige Möglichkeit erzählt. Der Mensch, so legt der Film nahe, ist weniger lernfähig, als wir glauben – und der autoritäre Reflex liegt nie weit entfernt vom politischen Zentrum.

Am Ende ist IRON SKY keine reine Satire und auch kein reines B-MOVIE, sondern ein ideologiekritisches Spiegelkabinett. Die Rückkehr der NAZIS ist weniger SCIENCE-FICTION als politische Metapher: Wer das Erbe der Vergangenheit nicht aufarbeitet, wird von ihr eingeholt – sei es auf dem MOND oder mitten im eigenen PARLAMENT.

IRON SKY (Julia Dietze) | Trailer deutsch german [HD]
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