
Es ist ein stiller Umbruch, kein lauter Neuanfang. Mit dem selbstbetitelten Album Alberta Cross verlässt PETTER ERICSON STAKEE endgültig den Pfad des Bluesrock seiner Frühwerke und schlägt als alleiniger Motor hinter ALBERTA CROSS einen behutsameren, introspektiveren Ton an. Dort, wo einst raue Riffs auf hymnische Refrains trafen, weiten sich nun Klangflächen, Bläser verhauchen Trost, und alles scheint von einer verhaltenen Spiritualität durchzogen – wie ein tiefer Atemzug nach einer langen Zeit der Unruhe. Nach dem Ausstieg seines musikalischen Partners TERRY WOLFERS hätte STAKEE die Band auch zu Grabe tragen können. Doch Alberta Cross ist kein Abschied, sondern eine Rückbesinnung – auf das, was Musik im Innersten vermag: Atmosphäre, Trost, Identitätsbildung. Eingespielt in Woodstock, dem mythenumwobenen Ort musikalischer Erleuchtung, entfaltet das Album eine Wärme, die nicht sofort lodert, sondern langsam aufsteigt wie Nebel am Morgen.
STAKEEs Stimme bleibt das emotionale Zentrum. Diese helle, leicht gebrochene Klangfarbe, irgendwo zwischen NEIL YOUNG und JIM JAMES, trägt die Lieder mit einer Verletzlichkeit, die nie pathetisch wirkt. Alberta Cross wirkt nicht durch Dringlichkeit, sondern durch Geduld. Die Songs dürfen atmen, sie nehmen sich Zeit – was in einer Welt der immer kürzer getakteten Releases fast schon subversiv wirkt. Textlich bleibt vieles im Vagen. Statt klarer Geschichten gibt es Stimmungen, Naturbilder, Reflexionen über Wandel, Verlust und das eigene Ich. Die Landschaften, durch die sich dieses Album bewegt, sind weniger geographischer als seelischer Natur. Man fühlt sich oft an den amerikanischen Folk der 70er erinnert, an die Einsamkeit von Harvest oder On the Beach, aber auch an moderne Nomaden wie BON IVER oder FATHER JOHN MISTY – allerdings ohne deren Ironie.
Die Produktion wirkt handgemacht, aber niemals roh. Orgeln, Trompeten, sanfte Gitarrenflächen – alles hat seinen Platz, nichts drängt sich in den Vordergrund. Das Album ist reich an Details, aber nicht überladen. Es verlangt Aufmerksamkeit, und gibt dafür umso mehr zurück. Mit Alberta Cross legt PETTER ERICSON STAKEE ein Werk vor, das ganz im Zeichen der Selbstfindung steht – ohne je ins Esoterische abzurutschen. Es ist kein lautes Statement, kein Instant-Klassiker. Aber es ist ein Album, das bleibt. Weil es nicht vorgibt, mehr zu sein als es ist: eine ehrliche, sanfte, melancholische Platte über den Versuch, in einer Welt des Wandels nicht den eigenen Klang zu verlieren.
Ein Album wie ein langer Blick aus dem Zugfenster: sehnsüchtig, verloren, aber voller leiser Hoffnung.





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