
Man stelle sich vor: Eine düstere, nebelverhangene Landschaft, in der ein paar finstere Gestalten mit Totenkopf-T-Shirts und grimmigem Blick den Weltuntergang besingen. Nun setzen wir diesen Herren eine Sonnenbrille auf, geben ihnen eine Kippe und lassen sie mit Rock’n’Roll-Pose ihre Gitarren schwingen – voilà, wir haben „Alfapokalyps“! Mit ihrem Debütalbum setzen ALFAHANNE ein Zeichen: Düster kann auch Spaß machen! Während klassische Black-Metal-Puristen sich mit brennendem Weihwasser überschütten und empört „Ketzer!“ schreien, feiern Freunde des schmutzigen, melodischen Sounds ein Album, das irgendwo zwischen nihilistischer Weltuntergangsstimmung und Kneipenrock für Werwölfe liegt.
ALFAHANNE bezeichnen ihre Musik selbst als „Alfapocalyptic Rock“, was ungefähr so klingt, als hätte sich eine norwegische Black-Metal-Band beim Motorradhändler verirrt. In der Praxis bedeutet das: raue Riffs, rotzige Vocals, ein bisschen Post-Punk-Feeling und jede Menge düstere Hymnen, die einem den Soundtrack zur eigenen Apokalypse liefern. Das Album schwankt zwischen Midtempo-Bangern, hypnotischen Melodien und einem gewissen „Lass uns ein Bier auf den Weltuntergang trinken“-Vibe. Besonders Songs wie „Dödskult“ oder „Indiehora“ schaffen es, Black Metal und Rock’n’Roll zu vermengen, ohne dass sich dabei jemand ein Corpsepaint verwischt. Dass dann auch noch illustre Gäste wie Hoest (TAAKE), V’gandr (HELHEIM) und Niklas Kvarforth (SHINING) auf dem Album vorbeischauen, ist das dämonische Sahnehäubchen auf diesem finsteren Cocktail.
Lyrisch ist „Alfapokalyps“ eine Mischung aus nihilistischer Philosophie, nordischer Düsternis und dem Gefühl, dass man nach einer durchzechten Nacht in den Sonnenaufgang schaut – und sich fragt, ob das jetzt Romantik oder das Ende der Welt ist. Die Band bewegt sich zwischen morbiden Reflexionen, existentialistischen Gedanken und Rock’n’Roll-Exzess, ohne dabei in Plattitüden abzurutschen. Der Sound ist so, als hätten sich JOY DIVISION, MOTÖRHEAD und DARKTHRONE in einer dunklen Gasse geprügelt – und am Ende beschlossen, eine Band zu gründen. Hier trifft der kalte Hauch des Post-Punk auf die Rotzigkeit des Rock’n’Roll und die bedrohliche Atmosphäre des Black Metal. Wer also schon immer wissen wollte, wie es klingt, wenn Lemmy Kilmister mit Fenriz ein Bier trinkt, könnte hier fündig werden.



