CULTUS FEROX – „Nette Jungs“ (Wannsee Records); VÖ: 02.10.2015

CULTUS FEROX – „Nette Jungs“ (Wannsee Records); VÖ: 02.10.2015

Cover CULTUS FEROX - "Nette Jungs"

Wer behauptet, Mittelalter-Rock sei ein ausgelutschter Dudelsack, der mit den letzten MET-Tropfen auf dem MPS verklungen sei, hat offenbar nicht mit CULTUS FEROX gerechnet. Denn was die selbsternannten Spielleute mit dem augenzwinkernden Titel Nette Jungs abliefern, ist kein laues Lagerfeuergeklimper, sondern ein musikalischer Schlag in die Leber – natürlich in bester Absicht. Schon das eröffnende Instrumental White Piper macht klar: Hier weht kein laues Lüftchen, sondern eine steife Brise aus Schalmei, Trommel und schrammelndem Pathos. Danach brüllen die Nette Jungs im Titeltrack ihre Antithese zum gepflegten Benehmen heraus – mit stampfendem Beat, röhrenden Dudelsäcken und einem Refrain, der sich so tief ins Ohr fräst wie ein rostiger Haken ins Kneipenschild.

Mit Aufwind und Seelentanz schlagen CULTUS FEROX dann sogar fast sanfte Töne an – sofern man unter Sanftheit versteht, dass der Krug zwar leer, aber das Herz noch voller Trotz ist. Stern hebt gar zu melancholischem Schwermut an, ein musikalisches Lagerfeuer für die innerlich zerrissenen Söldner der Liebe. Dass man bei Ligeia Edgar Allan Poe zum Tanze bittet, zeigt: Auch ein grober Spielmann weiß, wo die literarischen Totenschädel liegen. Besonders hervorzuheben ist Meer – ein kurzes, fast verträumtes Stück, das ohne Kitsch auskommt und dennoch eine erstaunlich poetische Tiefe aufweist. Spielmann, Reise! weckt hingegen Fernweh und das Bedürfnis, sofort eine Karawane zusammenzustellen – oder zumindest noch einen Krug Met zu bestellen. Mit Über Bord und Finne gibt’s nochmal ordentlich Wind in den Segeln, ehe das abschließende Wer Du Bist mit über acht Minuten epischer Länge zur letzten Schlacht ansetzt – ein pathetisches, aber nicht peinliches Finale, das die Band in all ihrer schrammelnden Pracht zusammenfasst.

CULTUS FEROX präsentieren sich auf Nette Jungs als das, was sie sind: grobschlächtig-charismatische Grenzgänger zwischen Mittelalter-Klischee und musikalischem Muskelspiel. Ihre Instrumente mögen aus vergangenen Jahrhunderten stammen, ihr Humor aber ist erstaunlich zeitlos – irgendwo zwischen Spelunken-Romantik, Bandbus-Poesie und einem Becher „Ach was soll’s?“. Wer feingliedrige Arrangements oder textliche Tiefenbohrungen sucht, ist hier falsch. Wer sich hingegen von ehrlicher Spielmannspower, kernigen Refrains und einer ordentlichen Portion Selbstironie mitreißen lassen will, bekommt mit Nette Jungs genau das richtige Gegengift zur stromlinienförmigen Mittelalter-Folklore. Und Hand aufs Herz: Ist es nicht gerade diese ungehobelte Direktheit, die wir an ihnen lieben?