
J MASCIS ist längst eine Legende der alternativen Gitarrenmusik, doch auch abseits seiner Band DINOSAUR JR. beweist er regelmäßig sein Können. Sein neues Soloalbum „What Do We Do Now“ zeigt ihn in einer reflektierten und dennoch kraftvollen Form, die sowohl neue als auch langjährige Fans ansprechen dürfte. Schon beim ersten Hören fällt auf, dass MASCIS auf diesem Album verstärkt mit Kontrasten spielt. Die Basis der Songs bildet meist eine akustische Gitarre, während sich verzerrte Leadgitarren und ein überraschend präsentes Schlagzeug darüberlegen. Diese Mischung sorgt für eine warme, fast intime Atmosphäre, ohne jedoch an Energie zu verlieren. Die Produktion bleibt bewusst zurückhaltend, sodass die Emotionen in den Melodien und Texten umso stärker zur Geltung kommen.
Textlich bleibt MASCIS seinen Themen treu: Vergänglichkeit, zwischenmenschliche Beziehungen und die Suche nach Orientierung prägen die zehn Tracks. Der Titel „What Do We Do Now“ deutet bereits eine gewisse Ratlosigkeit an – eine Stimmung, die sich durch das gesamte Album zieht. Songs wie „Can’t Believe We’re Here“ und „Right Behind You“ strahlen eine melancholische Ruhe aus, während „Set Me Down“ an die lauteren Momente seiner Bandkarriere erinnert.
Besonders gelungen ist die instrumentale Balance des Albums. MASCISs’ Gesang bleibt gewohnt fragil, doch die dichten Gitarrenharmonien verleihen den Songs zusätzliche Tiefe. Das erstmals prominent eingesetzte Schlagzeug gibt dem Album zudem eine neue rhythmische Dynamik, die es von seinen früheren Soloarbeiten abhebt. Die Mischung aus akustischer Basis und aufbrausenden Gitarrensoli sorgt für eine erfrischende, aber vertraute Klanglandschaft.
Kritiker haben das Album durchweg positiv aufgenommen. Mojo lobte es als „LP voller Einsicht und Empathie“, während Uncut es als MASCIS‘ „bisher vollständigstes und direktestes Soloalbum“ bezeichnete. Und in der Tat: „What Do We Do Now“ wirkt in sich geschlossener als einige seiner vorherigen Solowerke, ohne dabei an Spontaneität oder Charakter zu verlieren. Es ist ein Album für ruhige Momente, das gleichzeitig genügend musikalische Finesse bietet, um immer wieder neue Facetten zu entdecken. Es ist introspektiv, aber nicht deprimierend; melodisch, aber nie glattgebügelt. J MASCIS bleibt sich treu, ohne sich zu wiederholen – und genau das macht dieses Album so hörenswert.



