Die Besten 2024 : KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD – „Flight b741“ (p(doom) Records); VÖ: 09.08.2024

Cover King Gizzard & The Lizard Wizard

KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD sind zurück – als hätten sie jemals aufgehört. Mit „Flight b741“ liefern sie ihr 26. Studioalbum ab. Ja, richtig gehört. Während andere Bands in zehn Jahren ein halbes Album zusammenstolpern, veröffentlichen diese Australier mehr Musik, als wir Normalsterblichen je hören könnten. Aber ist „Flight b741“ nur ein weiteres Puzzleteil in ihrer endlosen Diskographie, oder hebt das Album tatsächlich ab?

Stellt euch vor, ihr sitzt in einem alten Flugzeug, das über eine Wüste brettert. Der Pilot hat seit Stunden nichts gesagt, die Turbulenzen nehmen zu, und aus dem Cockpit dringen psychedelische Gitarrensoli. Willkommen an Bord von „Flight b741“! Musikalisch bringt uns das Album in bluesigere Gefilde, aber mit jener chaotischen, leicht durchgeknallten Note, die KING GIZZARD zur Marke gemacht hat. Die Songs bewegen sich zwischen schmuddeligem Boogie, verzerrten Riffs und Momenten, in denen man sich fragt, ob die Band gerade ihr eigenes Equipment auseinanderschraubt. Die Mischung aus hypnotischen Gitarrenlinien, dystopischen Texten und unvorhersehbaren Rhythmuswechseln sorgt für eine ebenso faszinierende wie verstörende Atmosphäre. Während die Melodien eingängig bleiben, lauert unter der Oberfläche eine bedrückende Unruhe, die perfekt zur Thematik des Albums passt. Es ist ein Soundtrack für eine Welt, die sich in Auflösung befindet, aber trotzdem noch tanzen will.

Inhaltlich ist das Album eine Mischung aus Endzeitvisionen, klimabewusstem Alarmismus und surrealem Humor. Wenn das hier eine Flugreise wäre, hätte der Bordfilm vermutlich den Titel „Wie zerstören wir unseren Planeten in 10 einfachen Schritten?“. Die Texte sind düster, aber nicht hoffnungslos, ironisch, aber nicht belanglos. Man spürt die Handschrift einer Band, die sich des drohenden Kollapses bewusst ist, ihn aber mit einem dreckigen Grinsen besingt. Zwischen urbaner Isolation, digitaler Entfremdung und klimatischer Katastrophe bleibt genug Raum für skurrile Momente, die sich wie kleine Lichtblicke durch den dichten Nebel aus Fuzz-Gitarren und groovenden Bassläufen kämpfen. Mit einer Wahnsinnsmischung aus kreativen Arrangements, knackigen Riffs und einer spürbaren Spielfreude serviert die Band ein Werk, das sich schwer einordnen lässt, aber umso mehr fesselt. Mal fühlt es sich an wie eine düstere Hommage an den klassischen Bluesrock, dann wieder wie ein ungebremster Flug in psychedelische Untiefen. Wer sich eine strukturierte, vorhersehbare Platte wünscht, könnte hier schnell überfordert sein – aber genau das macht den Reiz aus. Hier wird nicht für den Algorithmus produziert, sondern für den reinen Spaß an der musikalischen Eskalation.

KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD haben mit „Flight b741“ ein Album geschaffen, das sich anfühlt wie ein wilder, unkontrollierter Flug durch psychedelische Blues-Gefilde. Es ist laut, es ist schräg, und es hat definitiv ein paar Schrauben locker – genau so, wie wir es von ihnen erwarten. Wer Lust auf eine musikalische Achterbahnfahrt hat, sollte einsteigen. Anschnallen ist allerdings optional.