Die Besten 2024 : ROYEL OTIS – „Pratts & Pain“ (Ourness); VÖ: 14.06.2024

Die Besten 2024 : ROYEL OTIS – „Pratts & Pain“ (Ourness); VÖ: 14.06.2024

Cover ROYEL OTIS - "Pratts & Pain"

Es beginnt mit einem Lächeln, das nicht weiß, ob es melancholisch oder ironisch gemeint ist – und es endet mit einer Zigarette, die man anzündet, obwohl man längst aufgehört hat. Dazwischen liegt Pratts & Pain, das Debütalbum von ROYEL OTIS, einem australischen Duo, das sich mit nonchalanter Eleganz zwischen Dream-Pop, Post-Internet-Nostalgie und Gitarren-Subkultur der Gegenwart bewegt. Was dieses Album auszeichnet, ist nicht Innovation im klassischen Sinne, sondern eine Art kuratorisches Fingerspitzengefühl: ROYEL OTIS sammeln Stimmungen, bauen Räume aus Erinnerungen und lassen ihre Songs wie halb durchgeblätterte Tagebücher klingen – nicht linear, nicht eindeutig, aber auf eigentümliche Weise aufrichtig. Sie sampeln keine Sounds, sondern Emotionen. Die Produktion bleibt dabei stets zurückhaltend genug, um die Fragilität der Bilder nicht zu gefährden. Man hört hier keine Euphorie, sondern deren Nachklang.

Pratts & Pain erzählt nicht viel, aber es deutet alles an. Es ist ein Album, das das Vage kultiviert – mit einer Form von Intelligenz, die sich nicht in Bedeutungsschwere erschöpft, sondern in der Ambivalenz des Alltäglichen aufblüht. Zwischen Surf-Appeal und Bedroom-Solitude, zwischen Indie-Sentiment und postironischer Pose gelingt ROYEL OTIS ein Spagat, der bezeichnend ist für eine Generation, die den Ernst des Lebens längst internalisiert hat, aber trotzdem nicht aufhören kann, catchy Hooks zu schreiben. Dabei ist das Album nicht flüchtig, sondern vielmehr flüchtend: vor der Eindeutigkeit, vor dem Pathos, vor der Selbstüberhöhung. Pratts & Pain wählt die Umwege, meidet den Refrain, wenn er zu eindeutig droht zu werden, und bleibt dabei doch stets melodiös. Die ästhetische Handschrift wirkt reif, ohne manieriert zu sein – als hätte das Duo schon viele Platten gemacht, die niemand je gehört hat.

ROYEL OTIS gelingt mit Pratts & Pain ein Debüt, das sich jeder Dramaturgie entzieht und gerade deshalb so zwingend ist. Es ist ein Album über die Schönheit des Ungefähren, über das Scheitern an großen Gefühlen, über das Dazwischen.