
Es gibt Horrorfilme, die mit schmalem Budget und begrenztem Raum große Wirkung erzielen wollen. We Need to Do Something, das Regiedebüt von Sean King O’Grady, gehört definitiv in diese Kategorie. Ein Kammerspiel im Badezimmer, ein Sturm, eine Familie, die sich allmählich selbst zerlegt. Und zunächst funktioniert das sogar überraschend gut – bis der Wahnsinn eine grotesk-blutige Wendung nimmt.
Der Plot ist schnell erzählt: Eine vierköpfige Familie sucht während eines Unwetters Zuflucht im Badezimmer. Der Sturm tobt, draußen kracht ein Baum gegen das Haus, der Ausgang ist versperrt – sie kommen nicht mehr heraus. Aus dieser simplen Ausgangslage entwickelt sich ein zunehmend surrealer Psychotrip, in dem Wahnsinn, Schuld, schwarze Magie und kaputte Familienstrukturen unheilige Allianzen eingehen.
Was den Film zu Beginn auszeichnet, ist sein konsequent eingegrenztes Setting: Die sterile Enge des Badezimmers steigert das Gefühl der Isolation. Die Kamera bleibt nah dran, fast aufdringlich. Die beklemmende Atmosphäre spiegelt die zerfallende Familienstruktur – Mutter und Vater voller Verachtung füreinander, der kleine Bruder überfordert, und Teenager-Tochter Melissa (überzeugend gespielt von Sierra McCormick) – still, intelligent, zerrissen – trägt ein düsteres Geheimnis mit sich.
In Rückblenden erfahren wir von ihrer engen Beziehung zu Amy – einer charismatischen Außenseiterin mit Gothic-Ästhetik und Faible für schwarze Magie. Amy überredet Melissa zu einem okkulten Ritual, das angeblich eine missbräuchliche Vaterfigur loswerden soll. Ob dies der Auslöser für das Unheil ist, bleibt bewusst mehrdeutig – doch der Film lädt zur Schuldprojektion ein. Amy wird dabei allzu klischeehaft als Gothic-Girl inszeniert: schwarze Lippen, provokante Symbolik, die gefährliche Verführerin. Hier verschenkt der Film viel an Differenzierung.

Dann ist da noch der Hund. Ja, der sprechende Hund, dem im Original ausgerechnet Ozzy Osbourne seine Stimme leiht. Was vermutlich als verstörender, ironischer Schockmoment gedacht war, driftet unfreiwillig ins Absurde ab. Der Effekt ist irritierend – aber nicht im intended sense. Vielmehr wirkt es, als hätte der Film an einem bestimmten Punkt selbst die Kontrolle über seinen Ton verloren.
Während sich die erste Hälfte des Films noch zurückhält, eskaliert das letzte Drittel massiv: Der Gore-Faktor steigt rapide – mit expliziten Verletzungen, Blutfontänen und verstörender körperlicher Zerstörung. Das bis dahin ruhige Kammerspiel mutiert zur grotesken Gewaltorgie. Für manche mag das konsequent wirken – für andere eher wie ein Effektfeuerwerk, das die bis dahin aufgebaute psychologische Spannung unter sich begräbt.
We Need to Do Something ist ein ambitionierter, atmosphärisch dichter Genreversuch, der sich an den besten Traditionen des Kammerspiels orientiert, dabei aber zunehmend überdreht. Die starke schauspielerische Leistung von Sierra McCormick und das drückende Setting tragen den Film weit – doch unlogische Elemente, klischeebehaftete Nebenfiguren und das exzessive Gore-Finale verwässern das, was ein kleines, fieses Meisterstück hätte werden können.
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