
„FUBAR“ – das Akronym aus dem US-Militärjargon bedeutet so viel wie „fucked up beyond all recognition“ – also: völlig ruiniert. Dass ausgerechnet eine Serie mit diesem Titel die Rückkehr von ARNOLD SCHWARZENEGGER ins Rampenlicht markiert, ist ein doppeltes Statement: Einerseits ironisch, andererseits bitter ernst. Denn FUBAR verhandelt nicht nur die Abnutzungserscheinungen eines Actionhelden, sondern auch den Zustand einer Gesellschaft, in der sich familiäre Bindungen und staatliche Loyalitäten längst überschneiden.
Im Zentrum steht LUKE BRUNNER (ARNOLD SCHWARZENEGGER), ein altgedienter CIA-Agent, der auf den Ruhestand zusteuert, jedoch feststellen muss, dass seine Tochter EMMA (MONICA BARBARO) längst ebenfalls ein Doppelleben als Spionin führt. Diese Konstellation – Vater und Tochter, beide beruflich wie privat in permanentem Rollenspiel verstrickt – ist die eigentliche Dynamik der Serie. Denn FUBAR inszeniert sich weniger als klassischer Agententhriller, sondern als Familienaufstellung im Gewand einer Action-Komödie.
Es ist bezeichnend, dass SCHWARZENEGGER mit FUBAR gerade dort anknüpft, wo er 1994 in TRUE LIES aufgehört hat. Auch dort verbarg der Superagent sein Doppelleben vor Ehefrau und Kind. Doch während damals die Familie als Bedrohung für das maskuline Abenteuer gezeichnet wurde, ist sie hier zum eigentlichen Schauplatz geworden. EMMA ist nicht länger die naive Tochter, sondern eine eigenständige, kampfstarke Agentin. Die Serie dreht damit das Verhältnis von patriarchaler Autorität und weiblicher Emanzipation um – allerdings nur halbherzig. Denn letztlich bleibt EMMA in der Logik der Erzählung stets die „Tochter von“, ihre Konflikte werden immer wieder auf den Vater zurückgespiegelt.
Die Serie offenbart hier ihr ideologisches Grundproblem: FUBAR will modern sein – divers besetzt, mit ironischem Augenzwinkern, humorvoller Selbstreflexion –, bleibt aber im Kern dem klassischen Action-Patriarchat verhaftet. Das zeigt sich besonders in der Figur LUKE BRUNNER: Er ist das Relikt einer vergangenen Ära, ein Muskelmann, der kaum noch mithalten kann, aber durch seine Erfahrung und stoische Männlichkeit stets das letzte Wort behält. SCHWARZENEGGER spielt diesen alternden Helden mit sichtlicher Lust, doch die Serie trägt ihn wie ein Reliquiar vor sich her – als ob man das Denkmal selbst zur Serienfigur gemacht hätte.
Gleichzeitig ist FUBAR eine Reflexion über die amerikanische Familie als ideologisches Fundament. Denn dass Vater und Tochter sich jahrelang gegenseitig belogen haben – unter dem Deckmantel staatlicher Geheimhaltung –, ist nichts anderes als die Übersetzung einer gesamtgesellschaftlichen Wahrheit: Der Staat dringt bis ins Private vor, und die Familie wird zur Bühne der permanenten Lüge. Was früher die nukleare Familie im Vorstadtidyll sein sollte, ist hier zur Operationsbasis geworden. Die Familie ist nicht mehr Schutzraum, sondern eine Zelle, die jederzeit infiltriert werden kann – von außen wie von innen.

Und doch liegt in diesem Setting auch die Ironie, mit der die Serie kokettiert. Es ist diese Mischung aus überdrehten Action-Sequenzen und sitcommäßigen Wortgefechten, die FUBAR ambivalent macht: Einerseits die Erfüllung von Nostalgie – SCHWARZENEGGER, der mit trockenem Humor eine Zigarre anzündet, als sei die Zeit stehen geblieben. Andererseits das Eingeständnis, dass diese Ära unwiderruflich vorbei ist. In den Dialogen zwischen LUKE und EMMA zeigt sich diese Spannung am deutlichsten: Der Vater, der seine Tochter nie wirklich kennt, die Tochter, die dem Vater ständig beweisen muss, dass sie mehr kann als er. Ein Generationskonflikt, der auch die Gesellschaft spiegelt – die alte Ordnung klammert sich an ihre Symbole, während die nächste Generation bereits eigene Rollen schreibt, aber noch nicht aus den Schatten tritt.
Die Kritiken spiegelten diese Ambivalenz: Zwischen Spott über die klischeebeladene Handlung und Begeisterung über SCHWARZENEGGERs Selbstironie. Netflix vermarktete FUBAR als Eventserie – und tatsächlich ist es weniger die Qualität der Inszenierung, sondern der Name SCHWARZENEGGER, der das Projekt trägt. Das ist auch die eigentliche Pointe: FUBAR ist eine Serie über das Ende des Actionhelden, die sich selbst als Vehikel für genau diesen Actionhelden versteht.
So bleibt die Serie in einer paradoxen Schwebe: Sie verspottet die Überholtheit ihrer Figuren und feiert sie gleichzeitig. Sie zeigt den Zerfall der Familie und verklärt ihn zugleich zur heroischen Mission. FUBAR ist, seinem Titel entsprechend, ein einziges Chaos: witzig, überladen, ideologisch widersprüchlich. Und gerade deshalb ist sie interessant. Denn sie verrät mehr über den Zustand des amerikanischen Selbstbildes als über Spionage: Eine Nation, die ihre Vergangenheit nicht loslassen kann und deshalb die Zukunft immer nur als Variation der alten Bilder inszeniert.
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