HAUNT (USA, 2019) – Maskenball mit Meuchelmördern

HAUNT (USA, 2019) – Maskenball mit Meuchelmördern

Poster "Halloween Haunt"

Halloween. Zeit für billige Latexmasken, labbrige Kürbissuppe – und mal wieder für eine Horrorfilm-Premisse, die so alt ist wie der Gänsehaut-Effekt selbst: Junge Leute betreten einen Ort, den sie besser gemieden hätten. Was in HAUNT (mancherorts auch unter dem charmant generischen Titel HALLOWEEN HAUNT gehandelt) folgt, ist ein 92-minütiger Gewaltparcours mit handelsüblicher Todesfalle – aber leider ohne Aha-Effekt.

Die Story: HARPER (KATIE STEVENS), deren Charakterprofil ungefähr so subtil gezeichnet ist wie ein Totenschädel mit Edding, will an Halloween endlich mal wieder raus aus ihrer depressiven Komfortzone. Ihre Freund*innen – die man freundlicherweise direkt mit Etiketten wie „der Lustige“, „die Laute“ oder „der Nutellatyp mit Love-Interest-Qualitäten“ versehen könnte – überreden sie, ein besonders authentisches Haunted House zu besuchen. Spoiler: Es ist echt. Echt blutig. Echt dumm.

Was folgt, ist ein Horror-Run durch diverse Gruselkabinen, bei dem jede Tür ein neues Klischee öffnet. Spiegellabyrinthe? Check. Nägel im Gesicht? Check. Verbrennungsgrube mit Hebelmechanismus? Na klar. Und natürlich darf auch die Szene nicht fehlen, in der jemand laut fragt: „War das jetzt echt?“ Ja, war es. Und leider auch echt vorhersehbar.

Die Bösewichte tragen liebevoll kuratierte Masken – von CLOWN über TEUFEL bis hin zu dem, was vermutlich „ENTGLEISTER CREEP“ darstellen soll. Der Clou: Wenn sie die Masken abnehmen, werden sie nicht etwa menschlicher – sondern entstellter. Shock Value, nennen das die Produzenten. Oder wie man im Drehbuchseminar lernt: „Wenn du keine Tiefe hast, nimm ihr das Gesicht.“

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KATIE STEVENS schlägt sich wacker durch die Schauerbude, auch wenn sie oft wirkt, als hätte sie im falschen Film ihren Lebenslauf abgegeben. Ihre HARPER darf immerhin eine traumatische Familiengeschichte mitbringen, damit man wenigstens einmal so tun kann, als gehe es hier um etwas. Doch das Trauma wird letztlich genauso verheizt wie der blonde Sidekick mit dem tragischen Hang zu falschen Türen.

Regie führten SCOTT BECK und BRYAN WOODS, ihres Zeichens die Autoren von A QUIET PLACE. Man könnte nun denken, HAUNT sei eine Art Sprachrohr für das unausgesprochene Grauen in uns allen. Oder aber: ein Versuch, mit dem Namen Eli Roth als Produzent ein paar Splatterfans ins Kino zu locken. Letzteres trifft es eher. Wo A QUIET PLACE mit Schweigen schockierte, dröhnt HAUNT mit dem Vorschlaghammer.

Die Gewalt ist handwerklich solide, aber dramaturgisch beliebig. Der Gore kommt ohne Witz oder Widerhaken, die Twists sind schon nach der ersten Falltür durchgerostet, und die Final Girl-Emanzipation wirkt leider so aufgesetzt wie eine Halloweenperücke von TEDDY’S. Und wenn am Ende die Moralkeule geschwungen wird – „We all wear masks“ –, fragt man sich: Tragen nicht auch Filme manchmal lieber Masken, wenn sie nichts zu sagen haben?

Halloween Haunt – Trailer Deutsch HD – Ab 27.03.20 im Handel!
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