
Schon der Titel des Albums, „Yume“ – das japanische Wort für „Traum“ – gibt einen Hinweis darauf, was die Hörer erwartet: elf Tracks, die sich wie flüssige Bewegungen durch die Sphären der Melancholie, Nostalgie und meditativen Reflexion bewegen. Keith Kenniff, der Mann hinter HELIOS, versteht es meisterhaft, seine Musik wie eine warme Decke wirken zu lassen – allerdings eine Decke, die gelegentlich auch ein bisschen kratzt, wenn sich ungewohnte Klänge und Atmosphären einschleichen.
Die Eröffnung des Albums, „Pearls“, setzt den Ton mit schwebenden Synthesizer-Flächen und minimalistischen Strukturen. Wer beim Hören ein bisschen an schönes Wetter oder endlose Hügel denkt, liegt sicher nicht falsch. Doch bevor es zu entspannt wird, schiebt „It Was Warmer Then“ melancholische Klavierakkorde nach, die sich wie die Erinnerung an einen zu schnell vergangenen Sommer entfalten.
Das Besondere an „Yume“ ist die perfekte Balance zwischen organischen und elektronischen Klängen. In Tracks wie „Sonora Lac“ verschmelzen pulsierende Synthesizer mit fast greifbaren Field-Recordings, die irgendwo zwischen Regenwald und Straßencafé schweben. Ob Kenniff hier einfach mal sein Diktiergerät in die Natur gehalten hat, bleibt sein Geheimnis. Sicher ist jedoch, dass die akustische Welt, die er schafft, gleichzeitig beruhigend und inspirierend ist.
Ein echter Genuss für Freunde des Ironischen ist der Titel „Again“, der das Album beschließt. Wer hier ein episches Finale erwartet, wird sanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Statt einer großen Explosion verabschiedet sich Yume mit leisen Tönen und einem Hauch von Unvollendetem – eine kluge Erinnerung daran, dass Träume selten mit einem Paukenschlag enden.
Yume ist kein Album, das sich aufdrängt. Es wartet geduldig im Hintergrund, bereit, die perfekte Begleitung für einen regnerischen Nachmittag, eine ruhige Autofahrt oder ein nostalgisches Glas Wein zu sein. Gleichzeitig bietet es genug Tiefe, um auch bei intensivem Zuhören zu überraschen. Wer auf der Suche nach musikalischen Abenteuern ist, die mehr Fragen stellen, als sie beantworten, ist hier genau richtig.



