HURTS – „Surrender“ (Columbia/ Sonic Music); VÖ: 09.10.2015

HURTS – „Surrender“ (Columbia/ Sonic Music); VÖ: 09.10.2015

Cover HURTS - "Surrender"

Es ist das alte Dilemma der Bands, die mit stilisiertem Weltschmerz Karriere machen: Irgendwann lockt das helle Licht des Pop-Olymps. Bei HURTS hat es 2015 auf Surrender vollends geblendet. Wo einst unterkühlte Eleganz und eine gewisse Schärfe das Duo auszeichneten, herrscht nun die makellose Glätte einer Hochglanzproduktion, die keinen Makel, aber eben auch kaum Reibung zulässt. Some Kind of Heaven oder Lights sind Popsongs wie aus dem Labor: hymnisch, eingängig, auf Stadiongrößenmaß geschneidert. Doch während die Melodien zweifellos ins Ohr gehen, bleibt das Herz oft unberührt. ARIEL RECHTSHAID und Co. haben den Sound bis zur Perfektion poliert – und dabei genau das geopfert, was HURTS einst interessant machte: den Widerspruch, die Spannung zwischen Glamour und Abgrund.

Natürlich, THEO HUTCHCRAFT singt weiterhin mit der Inbrunst eines Mannes, der jeden Refrain wie ein Glaubensbekenntnis vorträgt. ADAM ANDERSON malt die Soundkulissen so glänzend, dass selbst der kleinste Akkord wie ein Werbespot für Melancholie wirkt. Doch in der Gesamtheit wirkt Surrender fast steril: Musik, die den großen Gestus perfektioniert, aber ihre Kanten abgeschliffen hat. Man könnte sagen: HURTS wollten mit diesem Album beweisen, dass sie mehr sind als düstere Electro-Dandys aus Manchester. Doch was als Emanzipation vom eigenen Image gedacht war, klingt heute oft wie ein Kompromiss: zu glatt für echte Emotion, zu kalkuliert für künstlerische Radikalität. Wo Happiness noch das Versprechen einer verführerischen Dunkelheit war und Exile in seiner Schwere fast schon mutig, bleibt Surrender im sicheren Mittelmaß.

Das Album ist nicht schlecht – im Gegenteil, es ist zu gut, zu perfekt, um wirklich spannend zu sein. Ein triumphales Pop-Produkt, das die eigene Ästhetik opfert, um sich ins Ohr der Massen zu schmiegen. Wer HURTS liebt, weil sie einst das Unzeitgemäße im Pop feierten, hört hier eher eine Kapitulation als einen Sieg.

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert