IGNIS FATUU – „Unendlich viele Wege“ (Trollzorn); VÖ: 07.03.2014

IGNIS FATUU – „Unendlich viele Wege“ (Trollzorn); VÖ: 07.03.2014

Cover IFNIS FATUU - "Unendlich viele Wege"

Manchmal braucht es einen Umbruch, damit etwas wirklich wächst. Im Fall von IGNIS FATUU ist Unendlich viele Wege nicht nur der programmatische Titel ihres dritten Studioalbums, sondern auch das klingende Resultat einer inneren Neuausrichtung. Nach dem Weggang von Gründungsmitglied DAVID stand die Band vor der Herausforderung, sich stimmlich und strukturell neu zu sortieren – und meistert diese mit erstaunlicher Reife. Angeführt von P.G, der den Hauptgesang nun vollständig übernimmt, präsentiert sich die Formation fokussierter, reifer und melodisch variabler denn je. Seine Stimme – kraftvoll, klar und emotional geführt – trägt das Album mühelos durch elf Songs, die allesamt um Entscheidung, Veränderung und Selbstvergewisserung kreisen. Dabei verzichtet das Quintett bewusst auf historisierende Klischees und drängt sich nicht in das Korsett eines authentischen Mittelalter-Sounds. Stattdessen kombinieren IGNIS FATUU traditionelle Instrumente wie Flöte, Drehleier und Dudelsack mit einer modernen Rockproduktion, die mal hymnisch, mal nachdenklich, aber immer druckvoll daherkommt.

Ein echter Zugewinn ist dabei die neue Flötistin IRENE, die nicht nur das Klangbild mit frischen Farbtönen anreichert, sondern auch als Sängerin in mehreren Stücken glänzt. Ihre klare, schwebende Stimme steht in wohltuendem Kontrast zu P.G.’s geerdeter Präsenz und verleiht Titeln wie Hyazinthen oder Die Pforte eine melancholisch-erhabene Note. Diese Dualität aus männlicher und weiblicher Perspektive, aus Erdung und Entrückung, ist eines der herausragenden Merkmale des Albums. Thematisch bewegt sich Unendlich viele Wege abseits gängiger Szene-Plattitüden. Statt Räuberromantik oder Gauklerpossen gibt es existenzielle Fragen und poetische Reflexionen über das Leben, die Freiheit des Geistes und das Suchen nach Sinn. Und obwohl diese Themen schwergewichtig daherkommen, verlieren IGNIS FATUU nie den Zugang zur Eingängigkeit. Die Refrains sitzen, die Hooks zünden, und immer wieder blitzt eine fast tänzerische Leichtigkeit auf – etwa in Mit dem Wind oder Signal.

Produktionstechnisch ist das Album auf der Höhe der Zeit: transparent, dynamisch und dennoch warm. Der Sound ist ausgewogen, ohne steril zu wirken, und erlaubt sowohl den mittelalterlichen als auch den modernen Elementen ihren Raum zur Entfaltung. Hier zahlt sich die Erfahrung der Band ebenso aus wie das Vertrauen in die eigene künstlerische Vision. Mit Unendlich viele Wege legen IGNIS FATUU ein Werk vor, das nicht nur innerhalb der Szene bestehen kann, sondern auch darüber hinaus Ansätze für eine stilistische Öffnung bietet – ohne dabei den eigenen Kern zu verraten. Ein Album, das nicht schreit, sondern erzählt. Und das in einer Sprache, die viele verstehen dürften – unabhängig davon, welchen Weg sie selbst gerade gehen.