JIMMY HELMS – „Gonna Make You An Offer (2015 Remaster)“ (Bucks Records); VÖ: 1975/ 2015

JIMMY HELMS – „Gonna Make You An Offer (2015 Remaster)“ (Bucks Records); VÖ: 1975/ 2015

Cover JIMMY HELMS - "Gonna Make You An Offer"

Manchmal reicht ein einziger Song, um eine ganze Karriere in Erinnerung zu rufen. Bei JIMMY HELMS war es 1975 Gonna Make You An Offer You Can’t Refuse, ein Hit, der in den britischen Charts landete und HELMS für einen Moment ins Scheinwerferlicht stellte. Doch der gebürtige Floridianer, der in London eine neue Heimat gefunden hatte, war weit mehr als ein One-Hit-Wonder. Das Album Gonna Make You An Offer, hier in der erweiterten und liebevoll remasterten Ausgabe von 2015, zeigt, warum HELMS zu den unterschätzten Stimmen des 70er-Jahre-Soul gehört.

Schon die ersten Tracks wie So Long Love und Dream Merchant setzen den Ton: warme Streicher, butterweiche Harmonien und eine Stimme, die mühelos zwischen samtiger Zurückhaltung und kraftvollem Ausdruck wechseln kann. HELMS war kein Crooner im klassischen Sinn – er war ein Geschichtenerzähler, der Soul als universelle Sprache verstand. Seine Songs klingen nach späten Nächten in verrauchten Clubs, nach einer Zeit, in der Soul aus der Nische heraustrat und sich zwischen Funk, Disco und Pop neu definierte. Das Remastering von 2015 bringt diese Nuancen mit neuer Klarheit zum Vorschein. In Words And Music oder When Can Brown Begin hört man plötzlich Details, die im ursprünglichen Mix oft untergingen: eine Basslinie, die das Fundament hält, eine Gitarre, die Akzente setzt, ein Streichersatz, der den Soul in Cinemascope ausrollt. Das Album ist dadurch nicht nur ein nostalgisches Dokument, sondern klingt überraschend zeitlos – so, als hätte man eine Schatzkiste aus den 70ern geöffnet und den Staub vorsichtig weggepustet.

Besonders spannend sind die Bonustracks, die HELMS in ein noch breiteres Licht rücken. The Poor Side Of Town und Come On Down, bisher unveröffentlicht, zeigen eine rauere, direktere Seite des Sängers. Never Dreamed You’d Leave In Summer, eine Neuinterpretation des STEVIE-WONDER-Klassikers, belegt, dass HELMS nicht bloß nachsang, sondern mit jeder Zeile eine eigene emotionale Tiefe fand.

Historisch betrachtet gehört HELMS zu jener Generation schwarzer Musiker, die in Großbritannien ein zweites Zuhause fanden – ähnlich wie JIMMY JAMES & THE VAGABONDS oder GENO WASHINGHTON. In den USA blieb er ein Randname, in England dagegen wurde er Teil einer Szene, die den Boden bereitete für die Explosion des Britfunk und später für Bands wie IMAGINATION oder HOT CHOCOLATE. Dass HELMS Jahrzehnte später mit LONDONBEAT (I’ve Been Thinking About You) noch einmal weltweite Erfolge feiern würde, wirkt fast wie eine späte Anerkennung dessen, was in den 70ern versäumt wurde.

Gonna Make You An Offer
ist in dieser erweiterten Version mehr als nur ein Album – es ist ein Fenster in eine Ära, in der Soul in Europa eine ganz eigene Färbung bekam. Kein bahnbrechendes Meisterwerk wie die Klassiker von MARVIN GAYE oder CURTIS MAYFIELD, aber ein Werk voller Würde, Gefühl und handwerklicher Perfektion. Es zeigt einen Künstler, der vielleicht nie die ganz großen Hallen füllte, aber jedem Song ein Stück Seele einhauchte. Und genau das macht diese Wiederveröffentlichung so wertvoll: Sie gibt JIMMY HELMS die Bühne zurück, die ihm gebührt – ein Künstler zwischen den Welten, zwischen Amerika und England, zwischen Soul-Tradition und Pop-Appeal. Ein Album, das den Soundtrack einer Ära konserviert und doch frisch klingt wie am ersten Tag.

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