KING MIDAS – „Rosso“ (Fysisk Format); VÖ: 22.11.2013

KING MIDAS – „Rosso“ (Fysisk Format); VÖ: 22.11.2013

Cover KING MIDAS - "Rosso"

Der norwegischen Band KING MIDAS ist mit Rosso ein faszinierendes Spätwerk gelungen, das sich mit der eleganten Dunkelheit eines nächtlichen Spaziergangs durch menschenleere Metropolen in unsere Gehörgänge schleicht. Wer hier ein klassisches Rockalbum erwartet, wird nicht nur überrascht, sondern geradezu unterwandert: Rosso ist ein Noir-Album par excellence – reduziert, elektronisch, unaufdringlich, aber durchdrungen von existenzieller Melancholie. Nach ihrer stilistischen Metamorphose, die sich bereits auf Sorry andeutete, bekennt sich KING MIDAS auf Rosso endgültig zum Slowburn-Sound irgendwo zwischen Dark Pop, Electronica und urbaner Dekonstruktion. Die Beats sind langsam, fast träge, aber nicht ohne Wucht. Synths flackern wie Neonröhren in leerstehenden Hotels. Der Gesang von PER KRISTIAN OTTESADT ist mehr Hauch als Hymne – ein unterkühlter Erzähler in einem filmreifen Soundtrack voller Schatten.

Der Albumtitel Rosso – italienisch für Rot – legt bereits nahe, dass hier mit Kontrasten gespielt wird: Sinnlichkeit trifft auf Kälte, Wärme auf Leere, Hoffnung auf Bitternis. Doch wer dabei an melodramatische Effekthascherei denkt, liegt falsch. Vielmehr erinnert die Ästhetik an das Spätwerk von TALK TALK, die introvertierte Schwermut eines DAVID SYLVIAN oder den dystopischen Puls von MASSIVE ATTACKs Mezzanine. Auch Einflüsse aus dem Ambient und der introspektiven Electronica – etwa im Stile von TIM HECKER oder der norwegischen Schule à la RÖYKSOPP – sind deutlich spürbar.

Was Rosso so besonders macht, ist sein filmischer Charakter: Jeder Track wirkt wie eine Szene, jedes Arrangement wie eine Kamerafahrt durch emotionale Brachlandschaften. Die Musik ist nie plakativ, sondern spielt mit Andeutungen – ein Stilmittel, das man sonst eher aus dem Arthouse-Kino kennt als aus dem Popkontext. Dabei schafft es die Band, eine dichte, nahezu greifbare Atmosphäre zu erzeugen, ohne sich in artifizieller Kälte zu verlieren. Diese stille Meisterschaft blieb nicht unbeachtet: Rosso wurde mit dem renommierten Spellemannprisen – dem norwegischen Grammy – als Bestes Rockalbum des Jahres 2013 ausgezeichnet. Ein seltener Fall von künstlerischer Integrität und institutioneller Anerkennung, der KING MIDAS endgültig einen Platz im nordischen Musikpantheon sichert.

KING MIDAS liefern mit Rosso ein Spätwerk ab, das sich nicht anbiedert, nicht aufdrängt – aber nachhaltig wirkt. Es ist ein Album für die Stunden nach Mitternacht, für Menschen, die in der Stille mehr hören als im Lärm. Eine kleine, große Platte – verborgen im Schatten des Mainstreams, aber von eindringlicher Schönheit für jene, die genau hinhören.