LAIBACH – „Iron Sky O.S.T. (Director’s Cut) (Mute); VÖ: 13.12.2013

LAIBACH – „Iron Sky O.S.T. (Director’s Cut) (Mute); VÖ: 13.12.2013

Cover LAIBACH - "Iron Sky O.S.T."

Mondlicht fällt auf martialische Silhouetten. Helme blitzen, ein Chor erhebt sich, Blech bläst zum Angriff – doch was sich hier musikalisch erhebt, ist kein gewöhnlicher Filmscore. Es ist der ins Akustische gewendete Wahnsinn einer Vision, in der Geschichte zur Farce gerinnt: Iron Sky, die absurde Science-Fiction-Satire von TIMO VUORENSOLA, imaginiert den Rückzug der Nazis auf die dunkle Seite des Mondes – und ihre triumphale Rückkehr auf die Erde. Dass ausgerechnet LAIBACH für die musikalische Gestaltung dieses Szenarios verantwortlich zeichnen, ist mehr als ein geschickter Coup: Es ist die konsequente Fortführung eines jahrzehntelangen ästhetischen Projekts. Denn LAIBACH waren schon immer mehr als Industrial, mehr als Avantgarde – sie sind die ästhetische Auseinandersetzung mit totalitärer Symbolik, die reflexive Umkehrung des Pathos, die musikalische Dialektik der Macht. Der Iron Sky-Soundtrack, insbesondere in seiner erweiterten Director’s Cut-Fassung von 2013, verkörpert dies auf radikale Weise. Was sich hier entfaltet, ist keine bloße Begleitmusik zum Film, sondern ein autonomes Klangwerk, das das filmische Geschehen konterkariert, verdichtet und überhöht.

Im Vergleich zur regulären 2012er-Version des Soundtracks erweitert der Director’s Cut das musikalische Material nicht nur quantitativ – durch zusätzliche Tracks, alternative Mixe und orchestrale Neufassungen wie B Mashina (Iron Sky Mix) –, sondern strukturell: Die Musik folgt nicht mehr nur dem Schnittplan des Films, sondern einer eigenen inneren Dramaturgie. Das Ergebnis ist eine Art postindustrielle Oper, in der Bläser, Streicher, Choräle und elektronische Störimpulse in ein düsteres Gesamtkunstwerk münden. Dabei changiert die Musik virtuos zwischen Pathos und Parodie. In Tracks wie The Moon Nazis Are Coming! oder Kraut und Rüben trifft bombastische Marschmusik auf eine ironisch gebrochene Monumentalität, die mehr Fragen stellt, als Antworten gibt. America und The Victory Report erweitern die ideologiekritische Perspektive und verorten das Geschehen im globalen Kontext einer allgegenwärtigen mediengetriebenen Machtinszenierung.

Was der Film mitunter verspielt – durch Überzeichnung, durch slapstickartige Brüche –, hält der Soundtrack in erschreckender Klarheit aufrecht. LAIBACH gelingt es, die Ambivalenz des Stoffes zu wahren, ohne ins Alberne zu kippen. Sie unterlaufen die eigene Klanggewalt mit subtiler Distanz und entziehen sich zugleich jeder moralischen Eindeutigkeit. Man könnte sagen: Wo der Film sich am Pop bedient, bleibt die Musik beim Abgrund. So ist der Director’s Cut Soundtrack nicht nur ein Sammlerstück für LAIBACH-Affine oder Fans des Films. Er ist ein eigenständiges Werk, das die ästhetischen, politischen und klanglichen Fragen unserer Zeit aufwirft – verpackt in Blech, Chor und Düsternis. Eine akustische Reise dorthin, wo die Ideologie noch nicht dekonstruiert ist, sondern verführerisch glänzt – wie ein Totenkopfhelm im Schein des Erdlichts.

Foto: Mick Hutson/ Redferns/ Getty Images