MONSTER MAGNET – „Cobras And Fire (The Mastermind Redux)“ (Napalm Records); VÖ: 02.10.2015

MONSTER MAGNET – „Cobras And Fire (The Mastermind Redux)“ (Napalm Records); VÖ: 02.10.2015

Cover MONSTER MAGNET - "Cobras And Fire (The Mastermind Redux)"

Was tun, wenn der eigene Backkatalog wie ein monolithischer Wüstenfelsen in der Diskografie liegt, schwer, heilig, aber auch unbeweglich? DAVE WYNDORF, Kopf und Visionär von MONSTER MAGNET, entscheidet sich für die Re-Mutation. Cobras And Fire (The Mastermind Redux) ist kein bloßes Remix-Album, kein nostalgischer Re-Release und schon gar kein nachträglicher Soundpoliturversuch. Es ist ein bewusst dekonstruiertes, psychedelisches Re-Enactment – ein Album, das sein eigenes früheres Ich seziert, verlangsamt und unter UV-Licht neu zusammensetzt. Ursprünglich war Mastermind (2010) ein solides, wenn auch etwas in Konventionen verhaftetes Werk der New Jersey-Stoner. In seiner Redux-Version jedoch verwandelt sich das Material in ein eigensinniges, trippiges Hybrid – eine Art intermediales Rock-Gemälde, das genauso viel mit klassischer Popstruktur zu tun hat wie mit einer Soundinstallation auf LSD.

Schon She Digs That Hole eröffnet das Album mit einer fast zombifizierten Rhythmik. Die Gitarren schleppen sich, die Orgel von JEFF LEVINE wirkt wie ein sedierter RAY MANZAREK, und über allem thront WYNDORFs Stimme – nicht als Frontmann, sondern als Zeremonienmeister eines inneren Trips. Die Übergänge sind fließend, die Songs wirken nicht abgeschlossen, sondern wie Momentaufnahmen eines psychedelischen Feedback-Loops. Besonders bemerkenswert: Cobras And Fire (Hallucination Bomb) – das Herzstück der Platte. SHRUTI BOX und elektrische TAMBOURA (gespielt von ROBERT RYAN) holen die Musik aus dem Westen ins Irgendwo. Der Rock wird hier nicht zelebriert, sondern spirituell transzendiert, bis man nicht mehr weiß, ob man MONSTER MAGNET hört oder einem sonischen Ritual beiwohnt.

Ball Of Confusion, eine Coverversion des TEMPTATIONS-Klassikers, zeigt eindrücklich, wie man Soul nicht covered, sondern durch ein dystopisches Prisma neu inszeniert. Der Song verliert seine tanzbare Dringlichkeit und wird zu einem pessimistischen Kommentar über permanente Reizüberflutung. TIM CRONINs Backing Vocals murmeln im Hintergrund wie das Echo einer verlorenen Gegenwart. Und dann: I Live Behind The Paradise Machine. Ein auditives Zerschellen. Keine Musik im klassischen Sinne, sondern ein Klang-Manifest – Cut-ups, Schnipsel, Störgeräusche, ein Mashup aus Erinnerung und Halluzination, produziert von JOE BARRESI wie ein Soundtrack für das Ende der Zeit.

Es geht hier nicht um Eingängigkeit. Es geht um das Aufbrechen musikalischer Routinen, um Entschleunigung, um das Vermeiden der eigenen Stereotypen. Wenn Milking The Stars (2014) schon ein erstes Aufbegehren gegen das eigene Erzählmuster war, dann ist Cobras And Fire die radikale Fortsetzung: ein bewusst entgleistes Vehikel, das statt auf der Straße durch das kollektive Unterbewusstsein fährt. Dass das alles mit einer gewissen Selbstironie passiert, spürt man. MONSTER MAGNET tun hier nicht so, als hätten sie das Psychedelic-Rad neu erfunden. Aber sie haben verstanden, dass Re-Interpretation ein kreativer Akt sein kann – vielleicht sogar der ehrlichste.