SCREAM VI – Die Maske in der Metropole

SCREAM VI – Die Maske in der Metropole

Poster SCREAM VI

Wenn ein Franchise über Jahrzehnte hinweg überlebt, dann entweder, weil es sich immer wieder neu erfindet – oder weil es tief im kulturellen Gedächtnis verankert ist. Scream, das einst 1996 unter der Regie von Wes Craven die Meta-Ebene ins Slasher-Genre einführte, war beides: klug und blutig, referenziell und dabei überraschend frisch. Mit Scream VI (2023) betritt die Reihe nun Neuland – buchstäblich. Die Kulisse hat sich verändert, die Regeln ebenfalls, doch das Messer sitzt nach wie vor locker.

In seinem sechsten Auftritt trägt Ghostface nicht nur eine neue Postleitzahl – New York City – sondern scheint sich auch eine neue Ernsthaftigkeit zugelegt zu haben. Der Humor ist geblieben, das Augenzwinkern nicht verschwunden, aber Scream VI nimmt sich selbst stellenweise erstaunlich ernst. Das ist kein Makel – im Gegenteil. Es ist vielleicht genau das, was die Reihe gebraucht hat, um sich erneut im Strom der gegenwärtigen Horrorwelle zu behaupten, zwischen A24-Schauerkunst, Blumhouse-Routinen und Retro-Sehnsucht.

Der Ortswechsel von der Kleinstadt Woodsboro in die Großstadt ist mehr als eine Spielerei. Die anonymen Straßenschluchten Manhattans, überfüllte U-Bahn-Waggons und Apartments mit zu dünnen Wänden erzeugen eine andere Art von Paranoia. Hier ist niemand sicher – aber alle sind verdächtig. Diese urbane Enge lässt die klassischen Spannungsmomente der Serie neu aufleben und gibt dem altbekannten „Wer ist der Killer?“ eine frische Dringlichkeit. Besonders bemerkenswert: Eine der stärksten Szenen spielt in der U-Bahn – ein albtraumhaftes Szenario, in dem das alltägliche Pendeln plötzlich zur Todesfalle wird.

Mit Courteney Cox kehrt als Gale Weathers eines der letzten verbliebenen Originalgesichter zurück – abgeklärt, zynisch und dabei erstaunlich verletzlich. Auch Hayden Panettiere feiert als Kirby ihr Comeback – eine Figur, die einst in Scream 4 als fanlieblinghafter Nerd ins Herz der Fangemeinde stach und nun gealtert, aber nicht gebrochen wieder auftaucht. Doch Scream VI gehört vor allem den neuen Gesichtern. Jenna Ortega (die seit Wednesday eine Ikone der Gen Z ist) und Melissa Barrera führen als Schwestern Tara und Sam Carpenter die Erzählung in die nächste Generation. Sie tragen das Erbe weiter, ohne es zu imitieren.

Dabei bleibt die Serie ihrer DNA treu. Noch immer werden die Regeln des Genres zitiert, gebrochen, reinterpretiert. In einer wunderbar selbstreferenziellen Szene diskutieren die Figuren die Spielregeln sogenannter „Franchise-Fortsetzungen“ – und machen dabei klar, dass Scream VI sich sehr bewusst ist, was auf dem Spiel steht. Denn längst geht es nicht mehr nur um das Töten. Es geht um das Narrativ selbst. Um die Frage: Wie erzählt man eine Geschichte weiter, deren stärkste Wendung darin bestand, sich selbst beim Erzählen zu beobachten?

Diese Metaebene ist es, die Scream von anderen Slashern unterscheidet – und die auch im sechsten Teil wieder glänzt. Der Film reflektiert über die eigene Mythologie, über den popkulturellen Platz, den er längst eingenommen hat. Er weiß, dass er ein Produkt ist – und spielt genau damit. Doch zugleich ist Scream VI ein funktionierender Horrorfilm, atmosphärisch dicht, mit wohldosierter Gewalt und handwerklicher Raffinesse. Regie führten Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, die bereits Scream V (2022) inszenierten und auch diesmal ein gutes Gespür für Tempo, Suspense und Timing beweisen.

Im Kanon der Reihe lässt sich Scream VI als eine Art „Empire Strikes Back“-Moment deuten: düsterer, komplexer, mit offenen Fragen. Ein Bindeglied zwischen Alt und Neu, Vergangenheit und Zukunft. Vielleicht nicht der ikonischste Film der Reihe – diese Krone bleibt dem ersten Teil vorbehalten – aber ein notwendiger Schritt, um das Franchise in ein neues Jahrzehnt zu führen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, das neue Kapitel selbst zu erleben, findet Scream VI aktuell bei mehreren Streaming-Anbietern in Deutschland, darunter Apple TV, Sky Store, MagentaTV, freenet Video und Rakuten TV. Die Maske wartet – und sie hat noch längst nicht ausgedient.

SCREAM 6 | OFFIZIELLER TRAILER 2 | Paramount Pictures Germany
Dieses Video auf YouTube ansehen.
Das Video wird von Youtube eingebettet und erst beim Click auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google.