
Mit 64 Minutes – Wettlauf gegen die Zeit liefert Regisseur STEVEN C. MILLER einen actiongeladenen Thriller ab, der seinen Titel durchaus wörtlich nimmt: 64 Minuten Echtzeit, in denen alles auf dem Spiel steht – und zwar möglichst laut, hektisch und pausenlos. Im Mittelpunkt steht FRANK PENNY, verkörpert von AARON ECKHART, ein Cop mit ramponierter Karriere und schwerem Gepäck. Als ein Mädchen entführt wird und die Zeit buchstäblich gegen sie läuft, ergreift PENNY eigenmächtig die Initiative und begibt sich auf eine halsbrecherische Rettungsmission, die live ins Netz übertragen wird. An seiner Seite: AVA BROOKS, gespielt von COURTNEY EATON, eine ehrgeizige Streamerin mit Kamera und Followern im Schlepptau. Was folgt, ist eine Tour de Force durch die Straßen der Stadt – eine Mischung aus Polizeithriller, Medienkommentar und Dauerlauf für Adrenalinjunkies.
Das Tempo ist hoch, die Kamera rast, der Schnitt kennt kaum Verschnaufpausen. Alles wirkt auf Effekt getrimmt, was zwar für eine gewisse Kurzweil sorgt, sich jedoch schnell abnutzt. Statt Spannung durch clevere Dramaturgie aufzubauen, setzt MILLER auf permanente Reizüberflutung. Der Film hetzt von Szene zu Szene, ohne je innezuhalten oder seinen Figuren Raum zu geben. AARON ECKHART bleibt als wortkarger Held eindimensional, ein klassischer Einzelgänger mit viel Schweiß und wenig Profil. COURTNEY EATON verleiht dem Ganzen zumindest punktuell Energie, kann sich aber gegen das dauerdröhnende Setting kaum behaupten. BEN MCKENZIE als FBI-Agent und GIANCARLO ESPOSITO als geheimnisvoller Gegenspieler bleiben ebenfalls unterfordert – sie erfüllen ihre Rollen, ohne ihnen Tiefe zu verleihen.

Interessant ist der medienkritische Subtext, den das Drehbuch von JEREMY DRYSDALE anklingen lässt: Die ständige Übertragung der Ereignisse im Netz, der Druck durch Zuschauerreaktionen, das Spiel mit öffentlicher Wahrnehmung. Doch statt diesen Aspekt zu vertiefen, bleibt alles an der Oberfläche. Die Kamera dokumentiert, kommentiert aber nicht – so wird der Livestream zum Gimmick statt zum inhaltlichen Anker. Auch das Echtzeitkonzept, das Spannung erzeugen könnte, wird durch die atemlose Inszenierung verschenkt. Was zählt, ist die Bewegung – nicht die Richtung.
64 Minutes ist ein Film, der viel will, aber wenig einlöst. Er will Spannung erzeugen, aber verlässt sich zu sehr auf Tempo. Er will Kritik üben, verliert sich jedoch in der eigenen Dramaturgie. Wer sich mit durchgestylter B-Action ohne Tiefgang zufrieden gibt, bekommt hier solide Kost – wer aber nach Figuren, Subtext oder Innovation sucht, wird unter dem Dauerfeuer der Events kaum Luft zum Atmen finden. Das Ergebnis ist ein Thriller, der seine eigene Geschwindigkeit nicht bändigen kann und am Ende schneller vorbeirauscht, als man klicken kann.
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