WE INVENTED PARIS – „Rocket Spaceship Thing“ (Spectacular Spectacular/ Cargo); VÖ: 13.02.2014

Cover WE INVENTED PARIS - Rocket Spaceship Thing

Man sagt ja, dass eine Reise oft spannender ist als das Ziel – das gilt wohl auch für das Hören von „Rocket Spaceship Thing“, dem zweiten Album von WE INVENTED PARIS. Die Band, die sich selbst als künstlerisches Kollektiv versteht, bleibt ihrem Ansatz treu: Sie vereinen akustische und elektronische Elemente zu einem Indie-Pop-Gemisch, das zugleich charmant und überraschend gefällig ist. Doch genau hier liegt der Haken.

Musikalisch bewegt sich das Album auf sicheren Pfaden. Gitarren und Klaviere bilden das Fundament, hier und da umhüllt von synthetischen Klanglandschaften, die sphärisch wirken sollen. Doch so sehr die Produktion um Weite und Intimität bemüht ist, wirkt sie streckenweise „glattgebügelt“ – wie ein Bergsteiger, der sich mehr um seine Instagram-Fotos kümmert als um die Gipfelerfahrung. Tracks wie „Mont Blanc“ und „Zeppelins“ versuchen, emotionale Höhepunkte zu schaffen, doch trotz aller atmosphärischen Bemühungen bleibt der letzte Funke oft aus. Der Sänger, dessen Stimme sicherlich das Herzstück der Band ist, scheint sich gelegentlich etwas zu sehr anzustrengen, wie Brian Molko von PLACEBO zu klingen. Diese Bemühung verleiht manchen Songs zwar eine interessante Note, wird aber auf Dauer zu einem stilistischen Stolperstein. Besonders in „Philosopher“ und „Sleeptalker“ wirkt das Timbre der Vocals fast wie eine Imitation, die den Hörer daran erinnert, dass es eben nur eine gibt: die echte Vorlage.

Thematisch bietet das Album eine Reise zwischen Hoffnung, Selbstfindung und Abenteuerlust. In „Dance On Water“ schimmert ein Hauch von Optimismus durch, während „Treeless“ eine introspektivere Richtung einschlägt. Dennoch wirkt die inhaltliche Tiefe oft angedeutet, aber nicht wirklich ausgelotet. So schwebt das Album zwischen charmantem Pop-Appeal und einem gewissen Anspruch – ohne sich wirklich für eine Seite zu entscheiden.

Das größte Kompliment, das man WE INVENTED PARIS machen kann, ist ihre Liebe zur Detailarbeit. Die Produktion ist sauber und makellos, vielleicht sogar zu makellos. Wo kleine Brüche oder Ecken und Kanten den Songs mehr Charakter verleihen könnten, bleibt man stattdessen bei sicherem Terrain. Das sorgt zwar dafür, dass sich das Album wunderbar als Hintergrundmusik eignet – sei es für einen Roadtrip oder einen ruhigen Abend zu Hause –, doch es fehlt an den Momenten, die den Hörer wirklich herausfordern oder berühren.

Insgesamt ist „Rocket Spaceship Thing“ ein Album, das sich bemüht, den Hörer auf eine emotionale Reise mitzunehmen. Es ist jedoch eher ein gemütliches Dahingleiten in einer gut klimatisierten Gondel als ein wilder Ritt auf einer Rakete. Für Fans von gefälligem Indie-Pop mit polierter Produktion ist es sicherlich eine angenehme Erfahrung. Doch wer nach mehr Tiefe, Risiko oder Authentizität sucht, könnte sich am Ende fragen, ob das „Spaceship“ nicht doch besser auf dem Boden geblieben wäre.