
Es gibt Debüts, die höflich anklopfen. Und dann gibt es BONES UK, die ohne zu fragen durch die Tür treten, den Türrahmen lässig mit dem Ellenbogen streifen, während sie schon auf dem Weg zum Verstärker sind, und im Vorbeigehen einen Drink aus Glam, Garage-Rock und Elektronik mixen. Bones UK (2019) ist kein vorsichtiges „Hallo, wir sind neu hier“, sondern ein selbstbewusstes „Rückt mal zur Seite, das ist jetzt unser Platz“.
Das Duo – Sängerin ROSIE BONES und Gitarristin CARMEN VANDENBERG – hat sich bereits vor diesem Album mit einer Mischung aus provokanter Attitüde, feministischer Ansage und kompromisslosem Bühnenauftritt Aufmerksamkeit erkämpft. Unterstützt von Produzent FILIPPO CIMATTI, der den Sound zwischen roher Direktheit und polierter Präzision balanciert, liefern BONES UK ein Werk, das zugleich massenkompatibel und gefährlich klingt. Inhaltlich ist Bones UK ein Manifest gegen Klischees – musikalisch wie gesellschaftlich. Beautiful Is Boring schießt mit pointierter Ironie gegen die glatte, makellose Oberfläche einer Industrie, die Jugend und Schönheit zur Währung erklärt. Girls Can’t Play Guitar ist nicht nur eine Kampfansage an den immer noch existierenden Sexismus in der Rockwelt, sondern auch eine augenzwinkernde Dekonstruktion der Klischees, mit denen weibliche Musikerinnen belegt werden. Selbst das Cover von I’m Afraid of Americans (geschrieben von DAVID BOWIE und BRIAN ENO) passt ins Konzept: Das paranoide Grundgefühl des Originals wird hier zu einem pulsierenden, metallisch glänzenden Hybrid aus Industrial-Groove und Riff-Gewitter transformiert – als hätte man BOWIE in einen futuristischen Club voller Stroboskopblitze und verzerrter Gitarren gesetzt.
Klanglich fährt VANDENBERG alles auf, was das moderne Gitarrenarsenal hergibt: knurrige Fuzz-Sounds, dreckige Wah-Wah-Läufe, bluesige Slides und messerscharfe Riffs. ROSIE BONES liefert dazu einen Gesang, der bewusst zwischen Sprechgesang, halb gesungenen Linien und expressiven Ausbrüchen wechselt – eine ständige Verschiebung zwischen Distanz und Intimität. CIMATTI legt das Ganze in ein Sounddesign, das die Grooves fett und die Vocals klar nach vorne bringt, ohne den rotzigen Unterton zu glätten. Das Album folgt einer Dramaturgie, die zwischen Angriff und Selbstreflexion pendelt: Die Eröffnungstracks setzen auf unmittelbare Schlagkraft, die Mitte taucht in dunklere, introspektivere Klangwelten ab (Souls, Black Blood), bevor das Finale noch einmal die Zähne zeigt. Die zwölf Stücke wirken dabei wie ein Live-Set, das nicht nur musikalisch, sondern auch in der Haltung konsistent ist – alles ist auf Wirkung, Präsenz und Energie ausgerichtet.
Kritiker lobten die Mischung aus massentauglichen Hooks und subversiver Lyrik. BONES UK wurden schnell zu einem Namen, der in Playlists genauso funktioniert wie auf Festivalbühnen. Die Grammy-Nominierung für Best Rock Performance war folgerichtig – nicht, weil das Album die Rockmusik neu erfunden hätte, sondern weil es den Mut zeigt, sich in einem überfüllten Genre mit klarer Kante zu positionieren. Bones UK ist weniger ein Debüt im klassischen Sinn als vielmehr ein Statement: Wir sind da, wir bleiben, und wir definieren die Regeln neu. Wer denkt, das sei nur Attitüde, hat nicht verstanden, dass hier das Konzept ist, die Attitüde zur Kunstform zu erheben – mit Riffs, Beats und einem Blick, der keinen Widerspruch duldet.





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